Teilzeit einschränken?Mit seriöser Arbeitspolitik hat das nichts zu tun
Der Wirtschaftsflügel der CDU will den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. Das ist nur einer von vielen Plänen der Union, die die Erwerbstätigkeit von Frauen erschweren würden.
Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung betont: „Wenn Frauen trotz hoher Qualifikation und Arbeitsbereitschaft strukturell daran gehindert werden, existenzsichernd zu arbeiten, ist das kein individuelles Problem, sondern ein politisches Versagen.“ Die CDU plant, die Tageshöchstarbeitszeitgrenze aufzuheben, stellt das Recht auf Teilzeit als sogenannte ‚Lifestyle‘-Teilzeit in Frage und will zugleich den Kündigungsschutz für Topverdienende lockern. „Das macht deutlich, wie wenig diese Debatten die Lebensrealität vieler Frauen berücksichtigen. Solange sich Erwerbsarbeit für einige Frauen weniger lohnt als Heiraten, läuft etwas grundlegend falsch“, machte Kreutz deutlich.
Geplante Einschränkungen sind eine „Bankrotterklärung“
Auch er dbb Bundesvorsitzende Volker Geyer kritisierte in einer gemeinsamen Pressemeldung mit den dbb frauen am 26. Januar 2026 den Vorstoß: „Statt tragfähige Antworten auf Fachkräftemangel und Wirtschaftswachstum zu liefern, schiebt die CDU Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) die Verantwortung auf die arbeitende Bevölkerung und diskreditiert Teilzeitarbeit. Faktisch wird hierbei auch mehr als ein Drittel der Beschäftigten im öffentlichen Dienst unter Generalverdacht gestellt, überwiegend Frauen. Das ist nicht nur respektlos, sondern auch gefährlich für die Funktionsfähigkeit staatlicher Aufgaben.“
Die geplanten Einschränkungen seien eine Bankrotterklärung und lenken von der eigentlichen Herausforderung ab, so Geyer: „Dass so viele Menschen in Teilzeit arbeiten, hat handfeste strukturelle Gründe und nichts mit Bequemlichkeit zu tun. Wer Fachkräfte sichern will, muss das große Bild sehen und Rahmenbedingungen verbessern, statt Rechte einzuschränken.“ Schlagzeilenpolitik ersetze keine seriöse Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Besonders unglaubwürdig sei es, sich über hohe Teilzeitquoten zu beklagen und gleichzeitig an politischen Fehlanreizen wie dem Ehegattensplitting und Minijobs festzuhalten. Für den dbb sei diese Schieflage absolut inakzeptabel.
Union-Vorschläge verschärfen Betreuungskonflikte
Frauen tragen seit Jahrzehnten die Hauptlast von bezahlter und unbezahlter Sorgearbeit, erklärt die dbb frauen-Chefin „Aber statt sie dafür zu belohnen, benachteiligt sie das System im Erwerbsleben und in der Altersabsicherung. Wer Fachkräfte sichern will, muss endlich aufhören, Frauen in die ökonomische Abhängigkeit zu drängen.“ Die von der Unionsfraktion vorgeschlagene Liberalisierung der täglichen Höchstarbeitszeit verschärft Betreuungskonflikte für Familien und zementieren überholte Rollenbilder.
Auch das Steuersystem müsse überholt werden: „Das Ehegattensplitting und die Steuerklassenwahl 3 und 5 setzen schlicht und einfach falsche Anreize. Sie fördern ein Modell, in dem Frauen ihre Erwerbstätigkeit reduzieren oder ganz aufgeben, anstatt wirtschaftliche Eigenständigkeit zu stärken. Ein Steuersystem, das Zuverdienst bestraft, hält Frauen bewusst klein und bremst ihre berufliche Entwicklung.“ Hinzu komme, dass 520-Euro-Minijobs kein Sprungbrett in existenzsichernde Beschäftigung seien, „sondern faktisch eine Sackgasse für viele Frauen sind. Statistisch gesehen bleiben viele Frauen dauerhaft im Niedriglohnsektor gefangen, wenn sie sich einmal für einen Minijob entschieden haben“, so Kreutz.
Der politische Wille fehlt
„Teilzeitarbeit darf nicht länger das Ende von Karriere und Führungsverantwortung bedeuten. Fehlende Führungsoptionen in Teilzeit sind kein Naturgesetz, sondern Ausdruck veralteter Arbeitsstrukturen.“ Zahlreiche Beispiele aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft, in denen Führung in Teilzeit längst erfolgreich praktiziert wird, zeigen, dass es auch anders geht. „Was fehlt, ist nicht die Machbarkeit, sondern der politische Wille, moderne Arbeitsmodelle flächendeckend zu ermöglichen und verbindlich zu fördern“, erklärte Kreutz.
In der Debatte spielt die Frauen Union der CDU eine zentrale Rolle. Die dbb frauen-Chefin sucht daher den Dialog: „Wir schlagen der Frauen Union ein konstruktives Gespräch vor, um gemeinsam zu diskutieren, wie Erwerbstätigkeit von Frauen real gestärkt werden kann.“






